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Rainer Vesely's review of 'Dreaming of Babylon' (German)
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California Dreaming: Richard Brautigan im Eichborn-Verlag


von Rainer Vesely?

Auf den Bildern gleicht er einem altgewordenen Hippie mit den langen blonden Haaren, dem Bart und dem unvermeidlichen Schlapphut. Und wahrscheinlich war er auch einer, der vor allem in den siebziger Jahren in den USA ungemein populäre Geschichtenerzähler aus Kälifornien. Bis zu seinem mysteriösen Tod im Spätherbst 1984 pendelte Brautigan zwischen der Westküste und Montana hin un her, ging, so ein anderer Großer der San Franciscoer Literatur, Michael McClure?, seinen Freunden mit stundenlangen Geschichten auf die Nerven und schrieb, scheinbar so nebenbei, seine irrwitzigen Bücher.

Das einzige Werk Brautigans, das bei uns in Europa einigermaßen bekannt wurd, war sein vor langer Zeit im Hanser-Verlag erschienener Roman Forellenfischen in Amerika. Das ist schade, denn Brautigan war, auch innerhalb der amerikanischen Literatur, eine Ausnahmeerscheinung. Seinen Erzählungen haftete ein eigenartiger Zauber an, eine Mischung aus Witz, Trauer, Romantik und lakonischem Gestus in bester amerikanischer Tradition. Eiskalte Killer, die sich mit einem aus entsprungenen Chemikalien entstandenen Monster herumschlagen müssen, plötzlich auftauchende Sombreros, die eine ganze Stadt in heillose Verwirrung stürzen, übriggebliebene Generale der Konföderierten und allerlei andere sonderbare Menschen und Dinge bevölkern seine Romane, die sich durch eine unglaubliche Leichtigkeit im Umgang mit Sprache und Fabel auszeichnen—und sich wohltuend von der europäischen, insbesonders deutschen Schwerfälligkeit unterscheiden. Aus allen seinen Büchern spricht aber auch eine tiefe Sehnsucht nach einem alten, romantischen Amerika. Richard Brautigan war wirklich ein Hippie.

Der Frankfurter Eichborn-Verlag bringt nun, endlich, das Brautigansche Gesamtwerk auf deutsch heraus. Bereits erschienen sind "Die Abtreibung" (Herbst 1985), Das Hawkline-Monster (Frühjahr 86) und nun Träume von Babylon, eine groteske Hammett/Chandler-Parodie. Pro Halbjahr soll ein weiterer Band folgen. Ein Sonderapplaus für die Ubersetzer, die den unverwechselbaren, knappen Stil ebenbürtig ins Deutsche übertragen haben.

Der Sommer ist vorbei, und allen, die sich nach ein wenig Sonne sehnen, sei Brautigan hiermit wärmstens empfohlen. "Leute, die Brautigan gelesen haben," schrieb der Rolling Stone, "haben so ein seltsames Lächeln im Gesicht—so, als hätten sie genau die richtige Menge Eiscreme an einem heißen Tag gegessen."

Falter? 19/86

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